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Experten-Treffen
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit und das Tumen-Flussdelta

Am 15. Mai nahmen Dr. Bernhard Seliger und Felix Glenk an dem von UNESCAP organisierten Experten Meeting über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zum Schutz der Feuchtbiotope im Delta des Flusses Tumen teil. Anwesend waren Vertreter aus Südkorea, China und Russland.

Am 15. Mai nahmen Dr. Bernhard Seliger und Felix Glenk an dem von UNESCAP organisierten Experten Meeting teil und sprachen über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Schutz der  Feuchtbiotope im Mündungsgebiet des Flusses Tumen. Während des Treffens waren Experten aus China, Russland und Südkorea anwesend und die Vertreter der Hanns-Seidel-Stiftung nahmen teil, um ihr Wissen über das Gebiet in Nordkorea zu teilen. Das Treffen fand online statt, und in seinen Eröffnungsworten lobte Ganbold Baasanjav, Leiter des Subregionalbüros für Ost- und Nordostasien der UNESCAP die beteiligten Parteien für ihren Fleiß und ihr Engagement für das Programm auch in diesen schwierigen Zeiten.

Der Fluss Tumen - ein kulturelles und ökologisches Paradies

Das Mündungsgebiet des Tumen-Flusses ist nicht nur Heimat für eine große Vielfalt an Wildtieren, darunter Fische, Vögel und sogar Tiger und Leoparden, sondern auch eine einzigartige Chance für internationale Zusammenarbeit, da es einen Grenzfluss zwischen drei Ländern darstellt - China, Russland und Nordkorea. Die UNESCAP hat es sich zum Ziel gesetzt, den Schutz der dort gelegenen Feuchtbiotope zu unterstützen und die Erhaltung der großen Artenvielfalt zu gewährleisten, was nur durch internationale Zusammenarbeit zwischen allen Parteien möglich ist. Ein solches grenzüberschreitendes Programm hat einen immensen kulturellen Wert, da es in seiner Art einzigartig ist.

Eine der Kernregionen, die das Programm schützen soll, ist das Rason-Zugvogelreservat in Nordkorea, das die HSF lange Zeit besucht und studiert hat und für das sie daher als Experte in der internationalen Online-Konferenz fungierte. Ziel des Meetings war es, den UNESCAP-Bericht über die aktuelle Situation in den Tumen-Fluss-Feuchtgebieten zu verfeinern sowie die wichtigsten Herausforderungen und Empfehlungen auszuarbeiten.

Hanns-Seidel-Stiftung trägt zur Datenerhebung bei

Dr. Bernhard Seliger hatte eine kurze Präsentation vorbereitet über die Arbeit der Hanns-Seidel-Stiftung und ihre wichtigsten Ergebnisse im Bezug auf die Feuchtbiotope am Tumen. Seit 2014 hatte es eine Reihe von Erhebungen und Studien zur Biodiversität gegeben, bei denen die Liste der Arten, die in dem Gebiet beobachtet wurden, verdoppelt wurde.

Rason ist nun als Ramsar-Gebiet registriert, was eine umweltbewusste Nutzung des Gebietes und den Schutz seiner Biodiversität gewährleistet, und nordkoreanische Forscher sind zudem dort nun aktiv, was die Möglichkeit einer zukünftigen Zusammenarbeit zwischen russischen, chinesischen und nordkoreanischen Interessenvertretern eröffnet. Für 2020 waren eine grenzüberschreitende Studienreise sowie ein Schwanenfest geplant, aber beide wurden aufgrund von COVID-19 verschoben.

Dr. Seliger sprach auch die Gefahren an, die derzeit für einen Teil der Feuchtbiotope im Mündungsgebiet des Flusses Tumen bestehen. Aufgrund der anhaltenden Aquakultur in diesem Gebiet sind 10-15 % des Landes degradiert, was ebenfalls negative Auswirkungen auf die Wasserqualität und damit auf die Tierwelt haben könnte. Die Minimierung der Schäden und der Schutz der Biodiversität ist hier eine wichtige Aufgabe.

Professor Lu Cai von der Beijing Forest University nannte die HSF für ihre Expertise in diesem Gebiet und ihre umfangreiche Datensammlung, die eine solide wissenschaftliche Grundlage für Berichte über das Gebiet bietet und weitere Forschung ermöglicht.

Schwanenfeste und grenzüberschreitende Kommunikation

Es gibt viele Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt, um die Feuchtgebiete des Flusses Tumen zu schützen - die größte ist die Koordinierung eines gemeinsamen Projekts von drei verschiedenen Ländern. Auf lokaler Ebene besteht die Herausforderung in der unzureichenden finanziellen und personellen Ausstattung des Gebietes, wie beispielsweise ein Mangel an regelmässigen Überwachungs- und Erhaltungsaktivitäten und ein fehlendes lokales Bewusstsein für die ökologische und kulturelle Bedeutung der Feuchtbiotope.

Auf nationaler und internationaler Ebene besteht die Schwierigkeit, die trilaterale Kommunikation zwischen Russland, China und Nordkorea zu koordinieren und einen ständigen Informationsaustausch zwischen den Parteien aufrechtzuerhalten. Insbesondere die Kommunikation mit letzteren ist eine komplexe Aufgabe.

Gemeinsame Forschung mit wissenschaftlicher Grundlage, Zusammenarbeit und kultureller Austausch sollten die Hauptziele der weiteren Planung sein. Außerdem müssen unterstützende Mechanismen wie Kommunikations- und Koordinationskanäle entwickelt werden, um den grenzüberschreitenden Austausch zwischen den Beteiligten zu stärken.

Dr. Seliger schlug vor, die Idee von Schwanenfesten auf verschiedene Orten auszuweiten, da Schwäne leicht zu entdecken sind und Touristen anziehen könnten und solche Festivals in den verschiedenen Ländern, die an den Fluss Tumen grenzen, als vereinheitlichendes Gesamtprojekt dienen könnten.

Wie geht es weiter?

Ein Ausblick auf zukünftige Schritte zeigte, dass die Ramsar COP14 2021 in Wuhan, China, eine großartige Gelegenheit für Interessenvertreter ist, sich in einer Nebenveranstaltung zu treffen und zukünftige Projekte zu planen. Darüber hinaus wären internationale Konferenzen, beispielweise im Rahmen der Ramsar-Konvention, als Gastgeberveranstaltung für ein trilaterales Treffen geeignet.