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Forum
Durch kleine Schritte zum Ziel

Zum diesjährigen DMZ-Forum war der Repräsentant der HSF Korea, Dr. Bernhard Seliger, als Referent in der Session "DMZ as World Heritage" am 17. September 2020 eingeladen. Obwohl ein Publikum dem Forum nicht persönlich beiwohnen konnten, ermöglichte die Teilnahme über Zoom und YouTube Livestreams interessierten Zuhörern trotz der aktuellen COVID-19-Situation die Mitverfolgung der Veranstaltung.

 

Dr. Seliger nahm an der Parallelsitzung 1-2 teil, in der die DMZ als UNESCO-Welterbe diskutiert wurde. Vor diesem Hintergrund ging Dr. Bernhard Seliger in seinem Vortrag auf die problematischen Faktoren der Benennung der DMZ als Welterbe ein und nannte darüber hinaus Beispiele der sogenannten "Neuen Ostpolitik" Deutschlands, die die Strategie einer eher kulturellen Annäherung verfolgte. Dr. Seliger betonte, dass unterschiedliche Interessen im Bereich der DMZ nicht immer miteinander vereinbar sind und stellte dies anhand des DMZ-Tourismus dar, welcher die ökologischen Gebiete der DMZ gefährdet.  Darüber hinaus betonte er, dass die Sichtweise der DMZ in Nord- und Südkorea unvereinbar zu sein scheint, da, während die Südkoreaner das Grenzgebiet als einen guten Boden für bilaterale Kommunikation betrachten, die DMZ für die Nordkoreaner eher einen Ort postuliert, an dem eine Zusammenarbeit definitiv nicht stattfinden kann, da es sich um ein militärisch regiertes Gebiet handelt. Daher sollte das Grenzgebiet mit großer Vorsicht behandelt werden, wobei die existierenden unterschiedlichen Wahrnehmungen und Verständnisse zu berücksichtigen sind, was auch bedeutet, dass eine Einstufung der DMZ als UNSECO-Welterbe ohne nordkoreanische Zusammenarbeit nicht praktikabel ist.

Eine solche Zusammenarbeit mit dem Norden ist zwar nicht unmöglich, hat sich aber bisher als sehr schwieriges Unterfangen ohne wirkliche Konsistenz erwiesen. Um mögliche Maßnahmen zur Schaffung gegenseitigen Verständnisses zu diskutieren, gab Dr. Seliger daher einen kleinen Exkurs zur deutsch-deutschen "Neuen Ostpolitik", insbesondere in der Endphase der zweiten Hälfte der 1980er Jahre. Dabei betonte er die Bedeutung von kultureller Zusammenarbeit und Soft Power zur Schaffung von gegenseitigem Verständnis, wies aber auch darauf hin, dass die DDR erst kurz vor ihrem endgültigen Zusammenbruch mit der Aufarbeitung ihres kulturellen Erbes begonnen habe. Dr. Seliger beendete seinen Vortrag mit der Betonung der Bedeutung kleiner Schritte anstelle großer Sprünge sowie eines gemeinsamen Verständnisses darüber, wie kulturelle Zusammenarbeit und kulturelles Erbe funktionieren sollen.

DMZ Forum 2020

Im Anschluss an Dr. Seligers Vortrag referierte Hyeon-Kyun Noh, Teammanager für Kulturerbe am Gyeonggi-Institut für Kulturgüter, über den Wert der DMZ als Kulturerbe und die Rolle der Provinz Gyeonggi. Er stimmte mit Dr. Seliger darin überein, dass kleinere Abkommen vielversprechender für größeren Fortschritt seien, und betonte darüber hinaus die Bedeutung lokaler Gemeinschaften.

Abschließend nahmen die beiden Diskussionsteilnehmer Soo-Jae Lee, Chief Research Fellow des Korea Environment Institute, und Eun-Jin Park, Direktor des National Institute of Ecology, zu den Präsentationen Stellung. Beide waren sich einig, dass die kulturelle Zusammenarbeit, z.B. auf der Ebene des DMZ-Geoparks, ein guter Ansatz ist und dass Südkorea sich auf dem Weg zu einer vertieften bilateralen Zusammenarbeit auf realisierbare Kleinprojekte statt auf große Projekte konzentrieren sollte. Obwohl es nicht schlecht sei, von großen Projekten zu träumen, sollte man sich im Falle der innerkoreanischen Beziehungen, einer fragilen Situation, die einfach über Nacht in den Hintergrund treten kann, wirklich auf ein schrittweises Herangehen konzentrieren, bei dem kleine realisierbare Projekte eine Grundlage bilden, die langfristig die Zusammenarbeit mit dem Norden erweitern und damit den Weg zum letztendlichen großen Ziel ebnen kann - in diesem Zusammenhang nämlich die Einstufung der DMZ als UNSECO-Welterbe. Abschließend stellte Professor Tae-Hoon Moon von der Chung-Ang-Universität und Präsident der koreanischen Gesellschaft für Umweltpolitik und -verwaltung daher die besondere Bedeutung des Schutzes der Biosphäre und der Geoparks in der DMZ als oberste Priorität fest.

Sie können sich das Video der gesamten Session hier ansehen.
Die offizielle Website des Forums finden Sie hier.