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Workshop
Von regionalem Dialog zu konkreter Zusammenarbeit: HSS verbindet Nordost- und Zentralasien

Mit einem internationalen Policy-Workshop unmittelbar vor dem ersten Korea–Zentralasien-Gipfel hat die Hanns-Seidel-Stiftung ihre langjährige Arbeit zur regionalen Zusammenarbeit in Nordost- und Zentralasien fortgesetzt. Am 15. und 16. September kamen in Seoul Expertinnen und Experten aus Zentralasien, Nordostasien und Deutschland zusammen, um aus bisherigen Dialogprozessen konkrete Ansatzpunkte für langfristige Zusammenarbeit zu entwickeln.

Wie kann regionale Zusammenarbeit dort entstehen, wo geopolitische Rivalitäten, historische Konflikte und unterschiedliche politische Interessen einer engeren Kooperation entgegenstehen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Hanns-Seidel-Stiftung in Nordostasien seit mehreren Jahren. In einer Reihe von Fachdialogen in der Mongolei brachte sie Experten aus der Republik Korea, Japan, China, der Mongolei, Zentralasien und Europa zusammen, um unterschiedliche Perspektiven auf regionale Sicherheit, Vertrauensbildung und mögliche Felder praktischer Zusammenarbeit miteinander zu verbinden.

Dabei entwickelte sich der Ansatz schrittweise weiter. Frühere Workshops konzentrierten sich zunächst auf die Sicherheitslage in Nordostasien und auf die Frage, welche Formen des Dialogs auch unter schwierigen politischen Bedingungen möglich bleiben. Neben klassischen sicherheitspolitischen Themen rückten zunehmend Bereiche in den Mittelpunkt, in denen gemeinsame Interessen konkrete Zusammenarbeit ermöglichen können – etwa Umwelt- und Klimaschutz, Energie, wirtschaftliche Vernetzung, Wissenschaft und technologische Kooperation. Die Mongolei spielt dabei aufgrund ihrer außenpolitischen Tradition und ihrer Lage zwischen Nordost- und Zentralasien eine besondere Rolle als Plattform für regionalen Austausch. 

Mit dem internationalen Workshop „Understanding the Past, Shaping the Future“ im Juni 2026 in Ulaanbaatar wurde dieser Ansatz weiter systematisiert. Experten aus Nordostasien, Zentralasien und Europa verglichen nationale Vorstellungen von regionaler Ordnung und untersuchten, unter welchen Bedingungen Vertrauen und Dialog trotz wachsender strategischer Konkurrenz erhalten werden können. Zugleich wurde die europäische und deutsche Perspektive stärker eingebunden. Der Workshop war bewusst als Beginn eines längerfristigen Prozesses mit gemeinsamer Publikation und weiterführendem Austausch in Deutschland angelegt. 

Der Workshop in Seoul setzte diesen Prozess nun an einem politisch besonders relevanten Zeitpunkt fort. Bewusst unmittelbar vor dem ersten Korea–Zentralasien-Gipfel veranstalteten die HSS-Vertretungen in Korea und Zentralasien gemeinsam mit der Hankuk University of Foreign Studies den Policy-Workshop „From Lessons Learned to Future Partnerships: Dialogue on Nuclear Security, Sustainable Development and Strategic Cooperation“. Damit rückte eine neue Frage in den Mittelpunkt: Wie lassen sich die in den vergangenen Jahren identifizierten gemeinsamen Interessen in konkretere Formen interregionaler Zusammenarbeit überführen?

Teilnehmende aus Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan, Japan, der Mongolei, der Republik Korea und Deutschland diskutierten hierzu sicherheits-, energie-, technologie- und wirtschaftspolitische Fragen. Einen Schwerpunkt bildeten nukleare Sicherheit und Nichtverbreitung. Die Erfahrungen Zentralasiens wurden dabei nicht als übertragbares Modell für die koreanische Halbinsel verstanden, sondern als Ausgangspunkt für einen vergleichenden Austausch darüber, wie Vertrauen, glaubwürdige Verpflichtungen und institutionelle Zusammenarbeit auch unter schwierigen sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen entstehen können. 

Gleichzeitig richtete sich der Blick bewusst auf funktionale Kooperationsfelder. Diskutiert wurden unter anderem die friedliche Nutzung der Kernenergie und Small Modular Reactors, Energie- und Rohstoffkooperation, resiliente Lieferketten, künstliche Intelligenz, digitale Transformation und regionale Konnektivität. Gerade in diesen Bereichen zeigen sich Berührungspunkte zwischen Südkorea und den Staaten Zentralasiens: technologische und industrielle Kapazitäten auf der einen Seite sowie Energie-, Rohstoff- und Entwicklungspotenziale auf der anderen. Ziel ist dabei nicht Kooperation um ihrer selbst willen, sondern die Frage, wie Partnerschaften diversifiziert, Abhängigkeiten reduziert und wirtschaftliche sowie politische Handlungsspielräume gestärkt werden können. Diese Logik entspricht auch den regionalen Diskussionen über strategische Autonomie und Konnektivität, die bereits in der Mongolei geführt wurden. 

Für die Hanns-Seidel-Stiftung liegt darin zugleich eine besondere Funktion ihrer Regionalarbeit. Ihre Vertretungen in Korea, der Mongolei, China und Zentralasien können Akteure zusammenbringen, die häufig in getrennten regionalen Kontexten arbeiten. Gleichzeitig verbindet die Stiftung diese Diskussionen mit Deutschland und Europa. Perspektiven und Interessen aus den Partnerländern sollen stärker in politische Debatten in München, Berlin und darüber hinaus einfließen; umgekehrt können deutsche und europäische Erfahrungen in die regionalen Dialogprozesse eingebracht werden. 

Der Seoul-Workshop war deshalb kein Abschluss, sondern ein weiterer Schritt in einem längerfristigen Prozess. Die entstandenen Netzwerke und fachlichen Diskussionen sollen nach dem Korea–Zentralasien-Gipfel weitergeführt, in gemeinsamen Publikationen vertieft und durch weitere Austausch- und Delegationsformate mit Deutschland verbunden werden. Damit entwickelt sich aus einzelnen Fachdialogen schrittweise ein interregionaler Austauschraum zwischen Nordostasien, Zentralasien und Europa.