Konferenz
Umweltkooperation als Türöffner auf der Koreanischen Halbinsel und in Nordostasien
Am 25. August veranstaltete die Hanns-Seidel-Stiftung im Rahmen ihres Nordkorea-Projekts eine Nebenveranstaltung zum Thema Umweltkooperation als Instrument der Vertrauensbildung auf der Koreanischen Halbinsel und in Nordostasien. Während der politische Dialog in Nordostasien und insbesondere auf der Koreanischen Halbinsel weiterhin schwierig ist, hat die Zusammenarbeit im Umweltbereich auch in Zeiten politischer Spannungen immer wieder Möglichkeiten für Austausch und Dialog eröffnet.
Die eingeladenen Referentinnen und Referenten zeigten aus unterschiedlichen Perspektiven auf, wie Umweltkooperation zur Vertrauensbildung, zum regionalen Dialog und zur Friedensförderung beitragen kann.
Von traditioneller zu nicht-traditioneller Sicherheit
Dr. Nanjin Dorjsuren stellte das Konzept der grünen Diplomatie als eine Form internationaler Zusammenarbeit vor. Er erläuterte die Bedeutung des Austauschs von Erfahrungen und Fachwissen im Bereich der Umweltsicherheit, der entscheidend dazu beiträgt, Katastrophenrisiken zu verringern und sichere Lebensbedingungen zu gewährleisten. Zugleich schlug er die Mongolei als mögliches Zentrum für grüne Diplomatie in Nordostasien vor.
Als potenzielle Bereiche der Zusammenarbeit zwischen den Nachbarstaaten nannte er unter anderem erneuerbare Energien, die Verringerung der Luftverschmutzung, den Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen sowie die Wiederherstellung ökologischer Systeme.
Unterschiedliche Regionen brauchen unterschiedliche Zugänge
„Manchmal beginnt Diplomatie mit einem Vogel“, erklärte Jennifer George. Am Beispiel der East Asian-Australasian Flyway Partnership (EAAFP) zeigte sie, wie selbst kleine, aber kontinuierliche Formen der Zusammenarbeit langfristig eine große Wirkung entfalten können. Die gemeinsame Arbeit an einem konkreten Ziel und der Austausch lokalen Wissens können dazu beitragen, regionale Netzwerke zu stärken und langfristig Vertrauen über nationale Grenzen hinweg aufzubauen.Der gemeinsame Schutz von Zugvögeln und grenzüberschreitenden Ökosystemen kann somit konkrete Möglichkeiten für innerkoreanische Zusammenarbeit schaffen, auch wenn politische Differenzen den direkten Austausch erschweren.
Die nächste Generation von Friedensförderern ausbilden
Khishigjargal Enkhbayar hob die Bedeutung der Beteiligung junger Menschen an polischen Prozessen hervor, unter anderem durch Plattformen wie den Northeast Asia Youth Climate Council (NEAYCC). Dieser ermöglicht jungen Menschen aus der Mongolei, China, Japan und der Republik Korea, sich unmittelbar an regionalen, umweltpolitischen Diskussionen zu beteiligen. Der NEAYCC ist Teil umfassenderer regionaler Bemühungen zur Friedensförderung, indem er die Beteiligung junger Menschen an klimapolitischen Entscheidungsprozessen stärkt. Durch Multi-Stakeholder-Zusammenarbeit erhalten junge Menschen Schulungen zu klima- und sicherheitspolitischen Themen und werden dazu ermutigt, sich aktiv mit nationalen Regierungen und internationalen Organisationen auszutauschen.
Die Umwelt ist von zentraler Bedeutung für die menschliche Sicherheit
Die Veranstaltung verdeutlichte das besondere Potenzial der Umweltkooperation auf der Koreanischen Halbinsel. Während der formelle politische Dialog weiterhin schwierig ist, stehen sowohl Nord- als auch Südkorea vor Umweltproblemen, die nicht an der innerkoreanischen Grenze Halt machen. Ob durch grüne Diplomatie, den Schutz von Zugvogelrouten oder die Beteiligung junger Menschen, Umweltfragen können konkrete Ansatzpunkte für Austausch und gemeinsames Handeln bieten.
Bereits kleine, aber kontinuierliche Formen der Zusammenarbeit und der gemeinsamen Problemlösung können dazu beitragen, grenzüberschreitendes Vertrauen aufzubauen, Kommunikation zu fördern und politische Differenzen zu überbrücken.
Damit bietet Umweltkooperation nicht nur praktische Lösungsansätze für gemeinsame Herausforderungen, sondern eröffnet zugleich Möglichkeiten, den innerkoreanischen Dialog aufrechtzuerhalten und die regionale Zusammenarbeit über klassische diplomatische Kanäle hinaus zu stärken. Auf der Koreanischen Halbinsel schafft sie Raum für Zivilgesellschaft, Experten und Nichtregierungsorganisationen, durch konkrete Projekte ebenfalls zur Vertrauensbildung beizutragen, auch dann, wenn die Möglichkeiten für einen formellen politischen Austausch begrenzt sind.