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Seminar
Waldinventur in Deutschland und Nordkorea - Zusammenarbeit im Bereich der Forstwirtschaft

Während in Deutschland etwas mehr als 30 Prozent der Wälder dem Staat gehören, sind es in Nordkorea 100 Prozent. Allein diese Zahl zeigt einen deutlichen Unterschied zwischen dem System der beiden Länder. Während in Deutschland 32 Prozent der Landschaft von Wäldern bedeckt ist, wie die Statistiken der Nationalen Waldinventur zeigen, bleibt die statistische Zahl für Nordkorea unbekannt. In den letzten 30 Jahren haben die meisten Länder Europas eine nationale Waldinventur entwickelt, die genaue Daten über den Zustand der Wälder in den jeweiligen Ländern liefert. Im Rahmen einer Waldrestaurierungskampagne entwickelte Nordkorea nun aber auch eine moderne Waldinventur sowie einen 20-jährigen Aufforstungsplan für das Land.

Zentrale Baumschule in Pyongyang

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Trotz der jüngsten Fortschritte bei der Annäherung beider Koreas stehen die internationalen Beziehungen auf politischer Ebene immer noch im Widerspruch zum Atomprogramm Nordkoreas. Der Austausch über die Forstwirtschaft ist jedoch eine Möglichkeit, um einen Dialog einzuleiten der gegenseitiges Vertrauen schaffen kann und zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den ländlichen Gebieten des Landes notwendig ist. Darüber hinaus ist es eine globale Herausforderung und Pflicht, die Umwelt zu schützen, insbesondere in Bezug auf Themen wie Klimawandel oder grenzüberschreitende Ökosysteme. So unterstützte die HSF Korea die laufenden Bemühungen durch ein Seminar zur Waldinventur in Pjöngjang sowie Diskussionen über eine mögliche zukünftige Zusammenarbeit bei Umweltthemen. 

Workshop zu den Erfahrungen der Deutschen Waldinventur

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Der Workshop zu den Erfahrungen der Deutschen Waldinventur fand am 7. November 2018 statt. Die Generaldirektorin des Ministeriums für Land- und Umweltschutz, Frau Ri Kyong Sim, eröffnete das Seminar mit der Betonung, dass internationaler Austausch und Zusammenarbeit sowie die Nutzung von Erfahrungen mit der Aufforstung von wesentlicher Bedeutung sind, um die Ziele der DVRK (Demokratische Volksrepublik Korea, Nordkorea) zu erreichen, die sie aufgrund ihrer Bemühungen um die Wiederherstellung der Wälder gesetzt hat. Dr. Susanne Luther, Leiterin des Instituts für Internationale Zusammenarbeit der HSF Korea, folgte mit ihrer Eröffnungsrede. Sie erwähnte, dass in Deutschland seit dem 18. Jahrhundert mit der qualitativen Bewertung von Wäldern begonnen wurde und dass sich im Laufe der Zeit eine ausgefeilte Toolbox zur Analyse und Beschreibung von Wäldern herausgebildet hat, die im Rahmen der sogenannten "Bundeswaldinventur" regelmäßig genutzt wird. Sie begrüßte auch Dr. Heino Polley vom Thünen-Institut in Eberswalde herzlich. Dr. Polley koordinierte jahrelang die Bundeswaldinventur und konnte während des diesjährigen Seminars seine Erfahrungen mit nordkoreanischen Forstleuten austauschen.

Dr. Polley, Herr Lange und Dr. Seliger nach dem Workshop

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Dr. Polley stellte den rund 50 Teilnehmern zuerst die Forstwirtschaft in Deutschland vor. Er erläuterte die Auswirkungen des Föderalismus auf die Verwaltungsstruktur des Forstsektors, die Verteilung der Baumarten sowie die wirtschaftliche Produktion und Nutzung von Holz in Deutschland. Der Hauptteil des Seminars konzentrierte sich auf die Nationale Waldinventur Deutschlands. Während die Forsterhebungen durch Befragung der Grundbesitzer schon seit mehr als zwei Jahrhunderten üblich waren , wurde die erste moderne nationale Waldinventur auf Stichprobenbasis zwischen 1986 und 1988 durchgeführt. Wie so oft ergab sich aufgrund der Herausforderungen der jeweiligen Zeit der Bedarf an genauerer Überwachung, nämlich in diesem Fall die Angst vor dem Waldsterben in Deutschland, ausgelöst durch die zunehmende Luftverschmutzung, die zu einer erheblichen Schädigung der deutschen Wälder führte. Während der Diskussion zeigten die nordkoreanischen Forstleute Interesse und stellten verschiedene Fragen zur Adaption der deutschen Methoden in Nordkorea. 

Besichtigung eines Gebäudes der Baumschule in Pyongyang

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In den folgenden Tagen gab es Besuche in der Zentralen Baumschule in Pjöngjang und im Modellaufforstungsgebiet in Sangseo-ri, Pyongannam-do. Beide Standorte waren Teil eines Projekts zur nachhaltigen Wiederaufforstung, das von 2014 bis 2018 von der HSF Korea durchgeführt wurde, mit dem Ziel, die Kapazität des nordkoreanischen Forstsektors und damit die Lebensbedingungen der Bevölkerung in den ländlichen Gebieten zu verbessern. Das Projekt wurde auch von der Europäischen Union finanziert. Die Delegation nutzte die Gelegenheit, während der Reise nach Wonsan drei der Baumschulender Stadt zu besuchen. In Wonsan und bei einem Besuch des Sepho Table Land, wo die intensive Tierhaltung auf einem Plateau in der Provinz Gangwon eingeführt worden ist, konnte sich die Delegation über die aktuellen Bemühungen Nordkoreas zur Entwicklung der Land- und Forstwirtschaft informieren. Darüber hinaus standen politische Diskussionen über eine mögliche Zusammenarbeit innerhalb der Einschränkungen des aktuellen Sanktionsregimes auf dem Programm trotz der Unterschiede auf der politischen Ebene. Globale Themen wie die Forstwirtschaft sowie Umweltprobleme ermöglichen trotz politischer Meinungsverschiedenheiten eine Zusammenarbeit, da diese aufgrund ihrer globalen Auswirkungen dringende, gemeinsame und gründliche internationale Anstrengungen erfordern.