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Forum
Koreanische Wiedervereinigung – „Schlut-up“ Projekt beginnt.

Am 26. April fand ein virtuelles, von dem Korean Institute for Peace and Cooperation und der Hanns-Seidel-Stiftung organisiertes deutsch-koreanisches Wiedervereinigungsforum statt. Dabei standen die Perspektiven der Wiedervereinigung im Kontext der nächsten koreanischen Präsidentschaftswahlen und dem Start der Biden-Administration im Fokus.

Professor Son Gi-Woong vom Korean Institute for Peace and Cooperation (KIPCO) und Dr. Bernhard Seliger von der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) Korea konnten circa 40 Gäste, vor allem Expertinnen und Experten im Bereich der deutsch-koreanischen Beziehungen und der koreanischen Wiedervereinigung, vor Ort unter Einhaltung von Covid-19-Schutzmaßnahmen begrüßen. Die wissenschaftliche Sitzung wurde von Dr. Seliger moderiert. Aus Deutschland wurden Dr. Eric Ballbach vom Deutschen Institut für Internationale Politik und Sicherheit der Stiftung Wissenschaft und Politik und Martin Benninghoff, Journalist bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, virtuell zugeschaltet. Dr. Ballbach erörterte die Politik der Biden-Administration in Hinblick auf Nordkorea. Trotz der Veränderungen im Vergleich mit dem hochrangigen Austausch zu Zeiten der Trump-Administration sieht er viel Kontinuität und wenig neue politische Optionen. Insbesondere plädierte er für einen verstärkten Track 1.5 oder Track 2 Austausch. Martin Benninghoff, der eine Biografie über Kim Jong-Un geschrieben hat, befasste sich mit der deutschen und koreanischen Wiedervereinigung. Er ist der Meinung, dass Verhandlungen mit Kim Jong-Un zu einem Einfrieren des Nuklearprogramms führen könnten, aber nie zu einer vollständigen Abschaffung.

Im Anschluss an den Input der beiden Deutschen sprachen zwei koreanische Experten über ihre Sicht auf die aktuelle Situation und die Möglichkeiten einer Wiedervereinigungspolitik. Son Son-Hong, ehemaliger Generalkonsul Südkoreas in Hamburg, beleuchtete die aktuelle Lage Koreas und wies darauf hin, dass ein Erfolg in den nordkoreanisch-amerikanischen Beziehungen neben den notwendigen Kontakten auf hoher Ebene auch ein starkes Engagement beider Seiten auf der Arbeitsebene erfordere. Kim Dong-Myeong, ehemaliger Militärattaché von Südkorea in Berlin, gab einen Rückblick auf den langen und andauernden Prozess der deutschen Wiedervereinigung.

Im Anschluss an die wissenschaftliche Session fand der zweite Teil der Veranstaltung statt. Dabei ging es um das Projekt „Schlut up!“. In Lübeck, am nördlichsten Teil der ehemaligen innerdeutschen Grenze, erinnerte ein Denkmal an die Jahre der Teilung. "Schlut up" - "mach auf" stand in norddeutscher Mundart auf dem Stein geschrieben - ein Wortspiel mit dem kleinen Fischerdorf Schlutup, in dem das Denkmal steht. Prof. Son von dem KIPCO enthüllte Pläne, ein ähnliches Denkmal in Korea zu errichten. In Zeiten, in denen die Erinnerung an ein vereintes Korea verblasse, sei es wichtig, diese zu bewahren Hwang Kyo-Ahn, ehemaliger Ministerpräsiden und amtierenden Premierminister Koreas, drückte seine Unterstützung zu einem solchen Projekt aus und forderte die Zuhörer auf, die Hoffnung auf die Wiedervereinigung niemals aufzugeben. Weitere Unterstützung kam von Kim Hyong Seok, ehemaligem Vizeminister für Wiedervereinigung, Hartmut Koschyk, Co-Vorsitzender des Deutsch-Koreanischen Forums, und Ingrid Schatz, Vorsitzende der Schlutup - Gedenkstätte in Deutschland. Neben dem Gedenkstein sollen laut Prof. Son auch Schilder aufgestellt werden, die die ungeteilte koreanische Nation thematisieren.

Verschiedene Veranstaltungen, unter anderem auch eine alljährliche Gedenkveranstaltung am 15. August werden organisiert und eine Wiedervereinigungsakademie wird jährlich stattfinden. In diesem Jahr findet die Akademie zum ersten Mal im Mai statt und richtet sich an interessierte Studierende.